CfP „Romantische Urbanität“ (Deadline: 15.4.2016)

Tagung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Romantische Urbanität. Variationen und Aktualisierungen (19.-21. Jahrhundert)
Großer Rosensaal, Fürstengraben, 17.-19. November 2016
Historisches Institut, Lehrstuhl für Geschlechtergeschichte, FSU Jena
DFG-Graduiertenkolleg „Modell Romantik. Variation – Reichweite – Aktualität“, FSU Jena
Gesellschaft für Stadtgeschichte und Urbanisierungsforschung (GSU)

Das Verhältnis zwischen Romantik und Stadt ist so uneindeutig wie die Romantik selbst. Es beschränkt sich nicht auf die topische und weit hinter die Epoche der Romantik zurückreichende Entgegensetzung von (infernalischer) Stadt und (idyllischer) Natur. Vielmehr lässt sich der urbane Raum als wichtiger Ort romantischer ästhetischer Strategien und Identitätsbildungen fassen. Neben Natur und Landschaft, Berg und Wald bildet auch die Stadt eine Projektionsfläche des Romantischen. Zentrale Bezugspunkte romantischer Stadtvorstellungen sind etwa die harmonische Verbindung von Stadt und Land, die Ästhetisierung des städtischen gebauten und sozialen Raums oder die Orientierung an einem imaginierten Mittelalter, verbunden mit einer Sehnsucht nach der verlorengegangenen Einheit der bürgerlichen communitas.

Bis heute spielt Romantik eine nicht unbedeutende Rolle für die Herstellung von Stadtimages, die sowohl der inneren Identifikation als auch im Wettbewerb der touristischen Ziele der äußeren Profilbildung dienen. Romantische Codierungen von Städten im Zusammenspiel von Architektur, Geschichte, Landschaft und Natur sind allerdings keine Erfindung der heutigen Tourismusindustrie. Vielmehr haben diese Inszenierungen ihre Vorbilder bzw. Ursprünge in romantischen Stilisierungen, die bereits im 19. Jahrhundert von der frühromantischen Bewegung formuliert wurden, welche die Stadt als Reiseziel entdeckte und in Städten wie Heidelberg oder Nürnberg ihre Sehnsüchte verkörpert sah.

Die Konferenz will ein breites Spektrum an Themen diskutieren und den bisherigen Forschungsstand auf drei Ebenen erweitern. Romantische Urbanität soll interdisziplinär und im internationalen Kontext, vor allem aber über die Epoche der Romantik hinausblickend analysiert werden. Ausgehend von der Annahme, dass die Romantik bis heute als Modell für moderne Formen von Weltdeutung, Selbstreflexion, ästhetischer Gestaltung und Lebensvollzügen wirkt, wird nach Aktualisierungen romantischer Ideen und Praktiken in verschiedensten urbanen Kontexten bis in die Gegenwart hinein gefragt.

Vor dem Hintergrund einer solchen epochenübergreifenden Perspektive können sich Tagungsbeiträge z. B. auf folgende Themen beziehen:

  • Das Verhältnis von Natur und Stadt und romantische Stadt-Landverhältnisse
  • Der Einfluss des Romantischen auf Architekturdebatten und stadtplanerische Entwürfe
  • Romantische Aneignungen von Stadt und ihre textlichen und materiellen Ausdrucksformen
  • Der Einfluss des Romantischen auf urbane Geschlechterentwürfe
  • Romantisierungen fremder und vergangener Urbanität
  • Romantik und Urban Heritage (z.B. auch „Lost Places” oder „Urban Exploration”) sowie Romantik als Faktor im Stadtmarketing

Bitte senden Sie Ihre Vortragsvorschläge im Umfang von maximal 400 Wörtern sowie Angaben zu Ihrem Forschungsgebiet und Ihrer institutionellen Einbindung bis zum 15. April 2016 per Email an: sylke.methfessel@uni-jena.de.

Sylke Methfessel
Sekretariat Prof. Dr. Gisela Mettele
Lehrstuhl für Geschlechtergeschichte
Historisches Institut
Zwätzengasse 3
Friedrich-Schiller Universität Jena
07745 Jena
Tel.: 0049-(0)-3641-9-44030
Fax.: 0049-(0)-3641-9-44032

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